Archiv für Februar 2014

SOS Halkidiki

Griechenland, was wissen wir über die aktuellen Geschehnisse dort? Troika-Diktat unter maßgeblicher Federführung von Angela Merkel, Auspressen der Bevölkerung durch immer neue Steuern und Abgaben, Generalstreiks, Repression gegen Widerstandsbewegungen. Verkauf von Landesteilen an internationale Konzerne.

Können wir uns eigentlich vorstellen, was das heißt, ein Landstrich wird an einen ausländichen Konzern „verkauft“?
Ein Beispiel, wie so etwas aussieht, ist die Region Halkidiki, wenn man danach googelt, kommen seitenweise Urlaubsempfehlungen für tolle Hotelanlagen in wunderschönen Landschaften gelegen, Reiseempfehlungen usw.usf.
Gibt man dagegen „Goldabbau in Halkidiki“ ein, ergibt sich plötzlich ein ganz anderes Bild. Landschaftszerstörung, Profite, die an ein ausländisches Unternehmen gehen, Widerstand, Repression.
Von der Landschaftszerstörung sind insbesondere drei Dörfer betroffen, die sich gemeinsam wehren. Sie haben ein gemeinsames Komitee (Coordination Committee of Associations of Stageira-Akanthos and community assemblies of the wider region ) gegründet, was den Widerstand der Region organisiert, koordiniert und Öffentlichkeit herstellt. Es werden Angehörige von Repressionsopfern unterstützt, Anwaltskosten übernommen. Von diesem Komitee wird die Webseite „ http://soshalkidiki.wordpress.com/“ unterhalten, auf der in griechisch, englisch, französisch und spanisch über die aktuellen Entwicklungen und Kämpfe berichtet wird.
Aktuell fanden in der Woche vom 20.1. – 27.1.2014 Wahlen statt, bei denen die betroffenen Dörfer, die gegen die Minen kämpfen, einen Kandidaten gewählt haben, der die Region bei den in diesem Frühjahr stattfindenden Regionalwahlen vertreten soll.
Wir möchten zu diesem Thema den Text einer griechischen Aktivistin bekannt machen und zur Solidarität mit den Leuten vor Ort aufrufen.

SOS Halkidiki
Nordgriechenland. Ein Ort voller natürlicher Schönheit, voller historischer Spuren, wo ein verzweifelter Kampf geführt wird, während das Land die größten Plünderungen seiner Geschichte erlebt.
Dank der Beihilfe von Politikern mit zweifelhafter Moral hat sich hier das kanadische Unternehmen « Eldorado Gold Corporation » niedergelassen, um aus Griechenland bis 2016 das europäische Goldexportland Nummer Eins zu machen.
Durch Ausnutzung eines beschleunigten Verfahrens ohne öffentliche Ausschreibung, « fast-track » genannt, also entgegen der europäischen Gesetzgebung, hat die griechische Regierung die Minen vom Stratonikosberg in der Region Halkidiki für 11 Millionen Euro verkauft. Die erwartete Rendite der dort vorhandenen Goldvorkommen wird auf 15 bis 20 Milliarden Euro geschätzt! Auf die gleiche Weise wurden tausende Hektar Land, Dörfer, Infrastruktur und Ausrüstung und die Goldabbaugenehmigungen an Eldorado verkauft.
Von der Antike bis heute wurden in dieser Region etwa 33 Millionen Tonnen Golderz abgebaut, doch Eldorado sieht vor in den nächsten 25 Jahren etwa 380 Millionen Tonnen im Tagebau und unter Tage zu gewinnen. Nach dem griechischen Minengesetz, das noch unter der « Militärdiktatur (1967-1974) » verfasst wurde, erhält der Staat keinen Gewinnanteil aus den Minenaktivitäten, der Metallproduktion oder -verarbeitung. Der Staat soll einzig von den wirtschaftlichen Folgen durch erhöhte Lohnsteuereinnahmen, Mehrwertsteuer und Sozialversicherungsbeiträge daran verdienen.
Zwei gleichartige Investments sind ebenfalls in den beiden nordgriechischen Regionen Thrace und Kilkis angekündigt, der eindringlichen Warnungen durch Wissenschaftler bezüglich der ökologischen Gefahren einer Minenaktivität zum Trotz.
Die Regierung hatte sich in der Vergangenheit auf Grund der katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen gegen Minenaktivitäten in diesen Regionen ausgesprochen. Nun bietet sie jedoch unter skandalösen Bedingungen verschiedenen Unternehmen staatliche Gebiete, bewohnte Gebiete, Quellen, geschützte Wälder etc. zu Spottpreisen zum Verkauf an. Alles begründet durch die Wirtschaftskrise unter Bruch der Verfassung und Verletzung der Menschenrechte.
Die Bewohner dieser drei Regionen haben spontan damit begonnen sich bei Experten über die Folgen dieser « Investitionen » zu informieren. Diese Folgen betreffen die Umwelt, die Gesundheit, aber auch die regionale Wirtschaft, da die Landwirtschaft und der Tourismus unmittelbar betroffen sind.
Die Bewegung der örtlichen Bevölkerung im Widerstand, wächst täglich. In wenigen Monaten ist es ihr gelungen, breite Unterstützung bei der Bevölkerung Gesamtgriechenlands zu bekommen – parteiübergreifend. Die Anzahl und Intensität der Aktionen lässt nicht nach, fast täglich gibt es Demonstrationen und es kommt häufig zu Gerichtsverfahren.
Gleichzeitig haben dutzende Gemeinden Resolutionen gegen die Plünderungen der nordgriechischen Naturressourcen verabschiedet. Trotzdem verteidigt ein großer Anteil der Minenarbeiter den Bergbau mit dem Slogan: « Arbeit zuerst, Gesundheit danach », was zu einem fatalen Bruch der sozialen Zusammenhänge und des friedlichen Zusammenlebens der Bewohner führt.
Im Moment befindet sich die Hauptfront in Halkidiki. Viele argumentieren, dass nach einem Verlust des Skourieswaldes der Rest folgen wird. Die Minengesellschaft, geschützt durch die griechische Polizei, führt derweil ihr Werk am Skouriesberg fort. Die Bewegung wächst und der Konflikt verschärft sich. Kämpfe, in denen die Polizei Tränengas und Gummigeschosse einsetzt, massive und zufällige Festnahmen und gewalttätige Operationen, die von maskierten Polizisten ausgeführt werden, die mitten in der Nacht die Bewohner von Halkidiki überfallen, gehören inzwischen zum Alltag in dieser Region. Jugendliche werden zu verhört, ohne Anwesenheit eines Anwalts und ohne dass ihre Eltern darüber in Kenntnis gesetzt werden. Es werden illegal DNA-Proben genommen, Tränengas wird in Dörfer und Schulen geschossen, Festnahmen finden statt und alles wird durch die Massenmedien vertuscht oder verfälscht.

Übersetzung eines Textes einer griechischen Aktivistin

Stellen wir Gegenöffentlichkeit her und wer kann, sollte an das Komitee- Coordination Committee of Associations of Stageira-Akanthos and community assemblies of the wider region- spenden.

Hier die Spendendaten:

Empfänger: Politistikos sillogos Kleigenis
SWIFT-BIC: PΙRBGRAA
IBAN: GR23 0172 2850 0052 8505 4575 923 oder
GR90 0171 4340 0064 3404 0030 265
Betreff: Dorea S.O.S. Chalkidiki

Weitere Informationen und Videos:
Webseite SOSHALKIDIKI
Unser Schweigen, ihr Gold

Rote Hilfe Ortsgruppe Königs Wusterhausen




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