Rote Hilfe KW: Redebeitrag zum Tag der Befreiung am 8. Mai in Niederlehme

Redebeitrag der Roten Hilfe Ortsgruppe Königs Wusterhausen zum 8. Mai 2018 – Tag der Befreiung am antifaschistischen Denkmal in Niederlehme

Auch in diesem Jahr haben wir uns zum 8. Mai – dem Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus – hier versammelt um all jenen zu danken, die als Antifaschistinnen und Antifaschisten widerstand geleistet oder direkt an den verschiedenen Fronen gegen Nazideutschland diese Befreiung militärisch erkämpft haben.

Ganz besondern wollen wir aber all jenen gedenken, die im antifaschistischen Kampf ihr Leben gegeben haben. Sie mahnen und erinnern uns an diese bitteren Jahre des faschistischen Krieges & des faschistischen Terrors – aber auch an den mutigen und unerschütterlichen Widerstands vieler Genossinnen und Genossen.

Wie sicherlich viele von Euch wissen, gab es auch in der Region Königs Wusterhausen einen aktiven Widerstand von Antifaschstinnen und Antifaschisten. Darunter fallen die mit diesem Denkmal geehrten drei Niederlehmer Arbeiter Paul Schütze, Karl Scherer und Paul Schulze. Alle drei waren in den Tagen des tobenden Zweiten Weltkrieges im so genannten „Kampfbund gegen den Faschismus“ zusammengeschlossen und organisierten so Widerstand. Viele aus diesem Zusammenschluss waren vorher auch in der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) der Weimarer Republik organisiert.

Im Rahmen einer groß angelegten Razzia der Gestapo im Mai 1943 wurden u.a. auch diese drei mutigen Genossen festgenommen und letztendlich von der faschistischen Repressionsmaschinerie ermordet.

Genauso wie diese Genossinnen agierten übrigens aber auch auf der anderen Seite der Dahme in und um Schulzendorf, Wildau und Zeuthen aktive Genossinnen und Genossen – etwa um eine klandestine Struktur der illegalen KPD – und leisteten Widerstand. Unter anderem waren diese Antifaschistinnen und Antifaschisten auch aktiv für die ebenfalls illegale RHD und verteilten beispielsweise regelmäßig den „Roten Helfer“ als weiterhin existierenden Zeitung der RHD, ehe es ab Ende 1934 zu Verhaftungen und Verurteilungen durch die Gestapo kam.

Leider kennen wir Repression gegen revolutionäre und linke Aktivistinnen und Aktivsten auch in heutigen Zeiten! Wir möchten an dieser Stelle nur auf den in München mittlerweile seit mehreren Jahren laufenden Mammutprozess gegen zehn türkische Kommunistinnen und Kommunisten hinweisen, denen Mitgliedschaft in der TKP/ML, Türkische Kommunistische Partei / Marxistisch-Leninistisch, vorgeworfen wird.

Ganz besonders entsetzt und wütend sind wir auch über die Verhaftung der Genossin Yildiz Aktas am 9. April, also vor knapp einem Monat. Aktuell sitzt die kurdische Aktivistin in der JVA für Frauen in Berlin-Lichtenberg in U-Haft. Wie so vielen anderen Genossinnen und Genossen wird auch ihr im Rahmen des politischen Gummi-Paragraphen §§ 129b – also der Mitgliedschaft in einer so genannten „terroristischen Vereinigung“ im Ausland – vorgeworfen für die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) in Deutschland aktiv gewesen zu sein.

Als Rote Hilfe Königs Wusterhausen wissen natürlich auch wir sehr wohl um den repressiven Charakter der BRD, um seinen Repressionsapparat, um die deutsche Klassenjustiz und um die jahrzehntelange Zusammenarbeit als „langer Arm“ des autoritären türkischen Folterstaates.

Trotzdem sind wir wütend und entsetzt, dass die BRD obgleich der aktuellen politischen Lage in Afrin und Rojava oder auch der sich immer weiter verschärfenden Lage in der Türkei einfach weiter Genossinnen und Genossen verhaftet, einsperrt und aburteilt. Sicherlich fühlen wir – wie viele andere – die Ohnmacht und Machtlosigkeit angesichts dieser Repression des deutschen Staates.

Wir wissen aber auch um die Stärke der hartnäckigen, gemeinsamen Solidarität – politisch und praktisch! Im bereits genannten Prozess in München konnte durch die unermüdliche Solidaritäts- und Öffentlichkeitsarbeit im Februar erkämpft werden, dass vier der zehn Haftbefehle gegen die Genossinnen und Genossen ausgesetzt werden mussten. Dieser kleine Erfolg für die entschiedene & kontinuierliche Solidaritätsarbeit macht Mut und zeigt zugleich – nur so können wir uns effektiv gegen Ihre Repression wehren sowie unsere politische Arbeit und Identität verteidigen.

Gerade da wir heute vor diesem Denkmal stehen und an die damit verbundene Mahnung denken, meinen wir, das dies in Zeiten der Verhaftung der Genossin Aktas nur heißen kann: Lasst uns unsere Solidarität im Kampf gegen die Kriminalisierung unserer Genossinnen und Genossen verstärken und ausbauen müssen.

Deshalb: Unsere Solidarität gegen ihre Repression! Spendet & unterstützt die Rote Hilfe e.V. Werdet Mitglieder!

Aktivkreis der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe Königs Wusterhausen


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